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(Kölner Stadt-Anzeiger - 17.04.2003)

Seltenes Werk präsentiert

UDIN d'ART ist keine norditalienische Spezialität, sondern der Kammerchor der Odenthaler Pankratius-Gemeinde. Und der hat einiges zu bieten.

Odenthal - Die Markus-Passion des norddeutschen Bach-Zeitgenossen Reinhard Keiser hatten die Odenthaler zur Passionszeit einstudiert. Das ist umso verdienstvoller, als das Werk recht selten zu hören ist. In Odenthal war es der Beschäftigung mit dem Markus-Evangelium entwachsen, und die Aufführung zusammen mit einigen Instrumentalisten des Neuen Rheinischen Kammerorchesters wurde zu einem musikalischen Höhepunkt. Keisers Passion besteht aus denselben Elementen wie Bachs große Passionen: Bibeltext, Choräle, Arien. Dazu gibt Keiser noch kurze Instrumentalsätze, und insgesamt ist alles gedrängter, kürzer und nicht so üppig besetzt wie bei Bach. Die vier Vokalsoli sangen Antje Gardeweg (Sopran), Brigitte Sanders (Alt), Reinhard Dingel (Tenor, Evangelist) und Thomas Kladeck (Bass), der in einer Doppelrolle auftrat: als Leiter der Aufführung drehte er sich zum Publikum, um dann die Christusworte zu singen.
Hervorragend präsentierte sich der kleine Kammerchor: die vielen "Turba"-Chöre, die biblischen Kommentare der Menge, wie auch die Choräle kamen temperamentvoll und klangschön. Die Abstimmung zwischen Instrumenten und Sängern überzeugte, gerade die Arien mit obligatem Violoncello und der "Golgatha"-Arie, die der Oboe die Daseinsberechtigung gibt, gefielen. Das Publikum in der gut besuchten, aber nicht überfüllten Kirche applaudierte.