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(Rheinische Post - 30.09.1997)

Erstes Saisonkonzert in St. Johannes Baptist

Wohlklänge zum Lob der Himmelskönigin

LEICHLINGEN. Marienlob hat seinen festen Platz in der katholischen Kirchenmusik. Die Texte des "Magnificat", "Ave Maria" und "Ave maris stella" inspirierten Komponisten stets zu neuen (Vokal-) Vertonungen, die zu allen Zeiten fester Bestandteil von Meßfeiern waren. Als "Muttergottes", "ewige Jungfrau" und "Himmelskönigin" wird Maria gelobt und ihre Fürsprache erbeten. Der gemischte Chor "Udin d'Art" aus Odenthal und sein Leiter, Regionalkantor Thomas Kladeck, spürten dem Marienlob durch die Jahrhunderte nach, fügten vertonte Gebete und Bibeltexte hinzu und machten daraus ein Chorprogramm, das von der Renaissance bis zur Gegenwart reicht. Am Sontag eröffneten sie damit die neue Saison von Kirchenkonzerten an St. Johannes Baptist.

Schwerelose Geschmeidigkeit

Der Kammerchor mit recht jungem Altersdurchschnitt zeigte sich bestens präpariert. Leichte Sopranstimmen, die ohne Druck in die höchsten Lagen steigen und sich dabei einen glockig runden Klang erhalten, sind das große Plus des Ensembles. Die Männerstimmen sind vergleichsweise dünn besetzt, da fehlt es dem Zusammenklang schon mal an Tiefe. Eine Palestrina-Vertonung von "Tu es Petrus" oder das "Cantate Domino" von Monteverdi erklangen beispielsweise wunderbar schwerelos. Geschmeidig hüllte sich der Wohlklang um die Säulen der Pfarrkirche. Überhaupt profitierte gerade die alte Musik von dem fabelhaften Raumklang, den der Chor zu seinem Vorteil zu nutzen verstand. Die Gesangstechnik, die betonten Noten stets Entlastung folgen läßt, hat Schwung und ist von bemerkenswerter Leichtigkeit.

Hohes sängerisches Niveau

Auch die zeitgenössischen Mariengesänge von Arvo Pärt, Javier Busto oder dem Dirigenten Thomas Kladeck profitieren von diesem Ansatz. Die besonderen Stilmittel der Romantik aber werden vernachlässigt, wenn man Brahms, Reger und Rheinberger in gleicher Weise angeht. Zwar war der Dirigent bemüht, mit dynamischen Entwicklungen Akzente zu setzen, von der Stimmungsvielfalt jedoch, die diesen Kompositionen innewohnt, ließ er wenig ans Tageslicht dringen. Insgesamt allerdings genoß eine übersichtliche Schar von Hörern ein Konzert von hohem Niveau, das durchweg Wohlgefühl vermittelte.

Die gastgebende Kantorin fügte zwei Orgelwerke in das A-Cappella-Programm ein. Als dichte Tonschichtung, in strengem legato geführt, präsentierte Pia Gensler-Schäfer die Fuga sopra: Magnificat für Orgel von Johann Sebastian Bach. Aufmerken ließ das Opus 28 von Flor Peeters. Rasante Läufe sprudelten über der mächtigen Baßlinie der Toccata und ein munter hüpfendes Fugenthema steigerte sich zur elegischen Hymne über "Ave maris stella".

Monika Klein