zurück zur Startseite...

(Kölner Stadt-Anzeiger - 19.10.1999)

Orgel plus in Rheindorf

Swing und Schwung trotz des Mittelalters

"Orgel plus", dieser Titel bedeutet gemeinhin Orgel - plus einer darüber hinaus gehenden Konzertbesetzung. Der Begriff verführt aber auch unterschwellig, dass mit einer gesteigerten Qualität der musikalischen Darbietung zu rechnen ist. Die dritte Folge der in dieser Saison wieder aufgelegten Konzertserie in der Alt-Rheindorfer Adelgundis-Kirche erfüllte die Erwartungen der zahlreichen Zuhörer in jeder Hinsicht.

Aus Odenthal kommt das "Vocalensemble Udin D'Art". Der Gemeindepfarrer schafft Klarheit in seiner Begrüßung: Der Name "Udin" sei mittelalterlicher Herkunft und bedeute eben "Odenthal". Dem Chor allerdings ist der Ursprung des Titels nicht durchgehend Programm, denn er gibt sich den Tonschöpfungen späterer Zeiten ebenso wendig und gefühlvoll hin. Beim Negro spiritual namens "Deep River" wird aus den 13 Odenthaler Künstlern - davon allein acht Sängerinnen - eine verhalten swingende Formation, die den Namen "Oden Valley Singers" verdient hätte. Dabei bleibt ihr Vortrag in kammermusikalischen Bahnen, dem Trumpf der Gospelsänger made in USA können und wollen sie nicht nachstellen.

Beim A-capella-Gesang steht das Ensemble vor dem üppig barocken Hochaltar im Blick der Besucher. Für die größeren Motetten mit Orgelbegleitung wechselt es auf die Empore. Dort ist es dem Dirigenten und Orgelbegleiter Thomas Kladeck sichtbar nah. "Beatus vir" von Monteverdi leuchten die Stimmen einfühlsam aus. Den Schlusspunkt setzt ein Romantiker: Lewandowskis "Psalm 84: Wie lieblich sind deine Wohnungen".

Die meisten geistlichen Lieder sind lateinisch unterlegt. Übersetzungen liefert das Programmblatt. Auch deutsche Texte kommen zum Tragen, wie im Regerlied "Unser lieben Frauen Traum" oder im "Dankhymnus" von Hummel.

Die Solo-Organisten, zum Teil auch Mitglieder des Chors, Annette Koster, Bernhard und Monika Dieter, geben mit ihren Beiträgen dem "Plus" des Konzertabends hörbar Ausdruck. Den Vogel schießt ohne Zweifel Bernhard Dieter ab, der die verzwickten Linien der Avantgarde virtuos und transparent verdeutlicht. Und: Die schön tragende Akustik des geradlinigen Kirchenraums trägt zum Wohlbefinden der Zuhörer bei. Hajo Schroeder